Die Geschichte hinter „Grumpy Pony“ – Inspiration und Entstehung

Ich beobachte Pferde besonders gern auf der Weide oder in den Großraumboxen. Dort zeigen sie am meisten von ihren einzigartigen Attitüden. Unter dem Sattel und im Umgang mit dem Menschen sieht man sie nie so natürlich, wie wenn sie einfach unter sich sind.

Bei uns gibt es verschiedene kleine Herden, die schon lange zusammenleben – unter anderem eine Gruppe, in der eine ganze Familie gemeinsam steht: drei Mini-Shetlandponys und fünf Pferde. In jeder Herde gibt es bestimmte Charaktere, die in irgendeiner Form immer vertreten sind:

  • einen Herdenführer
  • eine Leitstute
  • die rangmittleren Pferde
  • die rangniederen Pferde

Ich möchte hier nicht weiter auf die Herdenstruktur eingehen, denn die Frage, wie sich Herden zusammensetzen und in welcher Form sie mit wem interagieren, ist ein extrem faszinierendes, aber auch umfangreiches Thema. Dafür habe ich jetzt gerade keine Zeit. 😉 Oh, und natürlich gilt die obige Aufstellung nur für die von mir beschriebene Herde. Es gibt auch Gruppen mit ausschließlich Stuten oder nur Wallachen, Herden mit Eseln oder sogar Minischweinen. Meine Beschreibung basiert also nur auf meinen persönlichen Beobachtungen und ist keine allgemeingültige Regel.

Das „Grumpy Pony“

Mir ist schon lange eine rangniedrige Stute aufgefallen, die immer ein extrem mürrisches Gesicht macht, sobald ein anderes Pferd oder Pony ihr zu nahe kommt. Ihr Gesichtsausdruck könnte man als witzig-gequält oder regelrecht angewidert beschreiben. Interessanterweise setzt sie diesen Blick nicht etwa ein, um ihren Platz zu verteidigen oder ihren Futterplatz zu behaupten. Nein, sie zieht einfach diesen völlig sinnlosen Gesichtsausdruck, steckt den Popo ein – und rennt weg, sobald das andere Pferd doch etwas zu nah kommt.

Das Lustigste daran: Die anderen Pferde müssen nicht einmal Anzeichen machen, dass sie ihren Platz beanspruchen oder sie vertreiben wollen. Sie geht einfach automatisch davon aus, dass es zu einem Konflikt kommen könnte, und verschwindet freiwillig. Ich gebe gerne zu, dass sie schon ziemlich alt ist und aufgrund ihrer körperlichen Einschränkungen vermutlich vorsichtiger agiert als die jüngeren Pferde. Aber ihre Mimik ist einfach faszinierend – und ich musste das unbedingt einmal aufs Papier bringen.

Eine kleine Geschichte dazu:

Die ranghöchste Stute dieser Herde kümmert sich rührend um die alte Stute. Sie betreibt mit ihr regelmäßig Fellpflege und achtet darauf, dass sie immer gut ans Futter kommt. Solange diese Leitstute in der Nähe ist, fühlt sich die alte Stute sicher und entspannt – sie verzieht ihr Gesicht nicht, selbst wenn andere Pferde dazukommen. Sie muss auch nie vom Heustand weichen, solange die Leitstute neben ihr steht.

Ich finde es unglaublich spannend zu beobachten, wie bewusst oder unbewusst die ranghöchste Stute die Situation managt und wie die alte Stute genau weiß, dass sie in ihrer Gegenwart nichts zu befürchten hat. In all den Jahren habe ich die Faszination für Pferde und ihre einzigartigen Eigenschaften nie verloren.

Pferde Herde im Unterstand. Grossmutter, Sohn, Tocher und Enkletochter.